Stadtgeflüster – Die Smart City Kolumne #7 

Wie uns das Gemeinwohl hilft, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren

Von Niklas Kossow – 15. Oktober 2025

In dieser Kolumne gewähren wir einmal im Monat Einblicke in den Arbeitsalltag unseres Teams „Smart City und Verwaltungsinnovation. Das Team aus Projektmanager:innen, Service Designer:innen, UX/UI Designer:innen und Smart City Designer:innen bringt vielfältige Perspektiven in die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, um Berlin gemeinsam voranzubringen. Mit einer Balance aus langfristigen Strategien und agilen Lösungen teilen sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem CityLAB. 

Für viele von uns ist es nicht leicht – und es gibt viele Self-Help Bücher dazu, wie wir es besser lernen können: „nein“ zu sagen, Grenzen zu setzen, sich auf das fokussieren, was wirklich zählt. Das gilt nicht nur im privaten, sondern oft auch im beruflichen. In meiner Zeit im CityLAB musste ich das auch immer wieder lernen, denn auch unsere Kapazitäten sind begrenzt. Auch wenn unser Team noch so schnell und effizient arbeitet: wir können nicht jede Kooperationsanfrage, Unterstützungsbitte oder Projektidee umsetzen. Die wichtigste Entscheidungshilfe ist dabei ein Kernteil unserer DNA als öffentliches Innovationslabor: das Gemeinwohl.

Sharecard mit Zitat von Niklas Kossow: Auch wenn unser Team noch so schnell und effizient arbeitet: wir können nicht jede Kooperationsanfrage, Unterstützungsbitte oder Projektidee umsetzen. Die wichtigste Entscheidungshilfe ist dabei ein Kernteil unserer DNA als öffentliches Innovationslabor: das Gemeinwohl.

Gemeinwohlorientierung als Zielmarke 

Das CityLAB Berlin ist ein Projekt der Technologiestiftung Berlin, gefördert von der Senatskanzlei Berlin. Diesen Satz, bei uns auch als Zuwendungshinweis bekannt, lernt jede:r Mitarbeiter:in des CityLAB sehr früh – so war es auch bei mir, als ich vor fünf Jahren anfing, im LAB zu arbeiten. Wenn man sich diesen Satz genauer anschaut, steckt einiges drin: das CityLAB wird von der Technologiestiftung betrieben, also einer Stiftung, die sich mit ihrem Stiftungszweck und ihrer Satzung festlegt, gemeinnützige Zwecke zu verfolgen und innovative Technologien zu fördern. Das CityLAB Berlin wird gefördert und nicht beauftragt von der Senatskanzlei – es soll daher Projekte umsetzen, die möglichst allen Berliner:innen zugutekommen. Daraus ergibt sich, dass wir mit unserer Arbeit für das Gemeinwohl unserer Stadt arbeiten und somit daran, wie Innovation und Digitalisierung allen Berliner:innen nutzen kann. 

Was bedeutet das in der Praxis? 

Das ist ein starker Anspruch, für uns aber maßgeblich in all unseren Projekten und hat einen starken Einfluss darauf, wie wir diese umsetzen. Entwickelt unser Team beispielsweise einen Vorschlag für ein neues Projekt, oder bekommen eine Idee von jemandem aus unserem Netzwerk, dann prüfen wir nicht nur, ob unser Team die Fähigkeiten und Kapazitäten hätte, dies umzusetzen, sondern auch, wie groß der potenzielle Mehrwert für Berlin ist. Falls wir merken, dass ein Projekt nur eine kleine Gruppe erreicht oder für die gewünschte Wirkung viel zu schwierig zu erreichen ist, dann sagen wir das Projekt ab, auch wenn wir es spannend fänden, daran zu arbeiten. Dabei ist schon so manche Idee durch unsere Mehrwert-Aufwand-Matrix gefallen. Das bedeutet auch, dass wir Projekte wie Stadtpuls beenden, wenn wir merken, dass sie wenig genutzt werden – oder Produkte wie Gieß den Kiez auch nach Jahren noch weiterentwickeln, weil sie viele Menschen erreichen und weiterhin inspirieren.  

Gemeinwohl in der Zusammenarbeit 

In der Zusammenarbeit mit Partner:innen aus der Verwaltung bedeutet Gemeinwohlorientierung für uns, immer gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Dabei entstehen manchmal Ideen, bei denen wir merken, dass sie nicht zielführend sind oder nicht im Interesse der Zielgruppe. In diesen Fällen sprechen wir  dies bei den Projektpartner:innen auch an. Aber keine Sorge: Bei fast jeder Anfrage finden wir einen Weg, zu helfen – mit einem Tipp, wie es anders gehen könnte, durch die Vernetzung mit einer Organisation, die besser unterstützen kann, oder mit jemandem, der oder die ein ähnliches Problem bereits gelöst hat. Statt direkt einen Prototypen zu entwickeln, schauen wir uns zunächst die Prozesse genauer an, organisieren Workshops, um mehr über eine bestimmte Herausforderung zu lernen und versuchen eine neue Perspektive einzubringen. Oft hilft das schon und spart unnötige Arbeit.   

Die Nutzendenzentrierung steht in unserer Arbeit dabei immer im Fokus. Viele Projekte bei uns beginnen mit Forschung zu der anvisierten Nutzendengruppe eines Produkts – egal ob es die Berliner:innen zuhause sind oder die Mitarbeitenden an den Endgeräten der Verwaltung. Wir wollen verstehen, wie Menschen digitale Produkte nutzen. Ab und zu verbringen wir dann auch ein paar Tage im Bürgeramt, um mit den Mitarbeitenden und den Kund:innen vor Ort in Kontakt zu kommen. Im Auftrag des Gemeinwohls testen wir uns durch Digitalprodukte, damit diese passgenau beschafft werden müssen und die Berliner Verwaltung nicht erst nach dem Kauf merkt, dass sie eigentlich etwas ganz anderes wollten. In all diesen Beispielen spielt das große Wort Gemeinwohl immer eine Rolle. 

Öffentliches Geld, öffentliches Gut 

Neulich durfte ich bei unseren Kolleg:innen von Kultur B Digital ein Panel zum Teilen von digitaler Infrastruktur moderieren. Holger Plinckert von der Wikimedia Deutschland e.v. erinnerte dabei mit dem launigen Grundsatz ÖGÖG – Öffentliches Geld, Öffentliches Gut – daran, dass öffentliche finanzierte Infrastruktur auch öffentlich zur Verfügung gestellt werden sollte. Im Sinne des Gemeinwohls leben wir diesen Grundsatz auch mit Blick auf unsere Angebote und das Wissen, was wir produzieren. Deswegen nutzen wir Formate wie diesen Blog und unseren Podcast, um regelmäßige Einblicke in unsere Arbeit zu geben.  Nach dem gleichen Grundsatz – public money, public code – sind alle unsere digitalen Produkte entsprechend auch Open Source. Ebenso sind auch unsere Methoden und Insights in unserem Wissenspeicher öffentlich zugänglich. Auch hierdurch werden wir zu einem öffentlichen Innovationslabor, denn wir geben unser Bestes, offen und transparent zu arbeiten und die Ergebnisse unserer Arbeit mit der Öffentlichkeit zu teilen und sie im Sinne des Gemeinwohls einzusetzen.   

Was hat das jetzt mit Nein sagen zu tun?  

Und ja, ich schrieb bereits: Ich musste in meinen fünf Jahren dabei auch lernen, nein zu sagen. Nein zu Projekten, für die wir keine Kapazitäten haben, nein zu Ideen, die sich nicht umsetzen lassen und nein zu Maßnahmen, die nicht dem Gemeinwohl dienen. Denn im CityLAB arbeiten wir nun mal mit öffentlichem Geld. Das heißt, dass wir selbst unseren liebsten Partner:innen und innovationsbegeisterten Freunden in der Berliner Verwaltung ab und zu die Kollaboration verweigern – wenn wir merken, dass ein Projekt zu aufwändig ist oder kein Potential hat, gemeinwohlorientierte Ergebnisse zu liefern. Dann heißt für uns entweder: Lasst uns das anders versuchen – oder eben „nein, da sind wir nicht dabei.“ Für mich ist dieser Fokus auf das Gemeinwohl ein wichtiger Grund, warum ich schon seit fünf Jahren so gerne im CityLAB arbeite und warum wir so ein fantastisches Team haben, das motiviert an der digitalen Zukunft Berlins arbeitet.