Stadtgeflüster #5 – Die Smart City-Kolumne 

Von Yannick Müller – 7. August 2025

In dieser Kolumne gewähren wir einmal im Monat Einblicke in den Arbeitsalltag unseres Teams „Smart City und Verwaltungsinnovation“. Das Team aus Projektmanager:innen, Service Designer:innen, UX/UI Designer:innen und Smart City Designer:innen bringt vielfältige Perspektiven in die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, um Berlin gemeinsam voranzubringen. Mit einer Balance aus langfristigen Strategien und agilen Lösungen teilen sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem CityLAB. 

Gute Begegnungen beginnen vor dem ersten Händedruck 

“Gatherings don’t begin the moment people walk into the room. They begin the moment you decide to gather.” Priya Parker 

Die US-amerikanische Autorin Priya Parker schreibt in The Art of Gathering, dass gelungene Zusammenkünfte kein Zufallsprodukt sind, sondern bewusste Gestaltung verlangen: Mit Haltung, mit Sinn, mit Purpose. Wenn man ihre Gedanken auf städtische Zusammenarbeit überträgt, wird deutlich: Vieles, was heute als “Netzwerk” bezeichnet wird, ist in Wahrheit eine lose Aneinanderreihung von Routinetreffen, ohne geteilten Purpose, ohne Reibung, ohne Wirkung. 

Austausch braucht Gestaltung, nicht nur Struktur 

In einer Zeit, in der Verwaltungen digitalisieren, Systeme verzahnen und Kompetenzen bündeln sollen, ist die Frage nach dem Wie des Zusammenkommens entscheidender denn je. Die Initiative für einen handlungsfähigen Staat betont in ihren jüngst veröffentlichten Leitlinien: Transformation gelingt nur, wenn Innovation geteilt, wenn Wissen zugänglich, wenn Verwaltung lernfähig wird. Doch Lernen braucht Austausch und Austausch braucht mehr als ein Netzwerkdiagramm in einer PowerPoint-Präsentation. 

Stadtlabor2Go: Lernen im öffentlichen Raum 

Im Stadtlabor2Go haben wir keine perfekten Antworten geliefert. Aber wir haben Räume geschaffen, in denen neue Fragen entstehen konnten. Stadtlabor2Go ist ein Projekt des CityLAB Berlin, das neue Formen interkommunalen Austauschs erprobt – nicht im sterilen Konferenzraum, sondern dort, wo Stadt lebendig ist: im öffentlichen Raum. Ziel ist es, städtische Innovationslabore in anderen Kommunen – wie aktuell in Wiesbaden und Mönchengladbach – anzustoßen, und dabei neue Formate für lernorientierte Verwaltungstreffen zu schaffen. 

Fragen wie: Warum treffen sich Städte eigentlich ständig – und lernen trotzdem so wenig voneinander? stehen dabei im Zentrum. 

Begegnung schafft Beziehung, nicht bloß Austausch 

Das Stadtlabor2Go und viele andere Formate im CityLAB sind ein Gegenentwurf zu konventionellen Netzwerktreffen. Ziel ist es, Verwaltungen auf Augenhöhe zusammenzubringen – nicht im Hotelkonferenzraum, sondern im Stadtraum, im Park oder digital. Und siehe da: Wenn Städte sich anders begegnen, fragen sie anders, denken sie weiter, handeln sie vernetzter. Aus Austausch wird Beziehung. Und aus Beziehung entsteht Vertrauen. Die vielleicht knappste Ressource in interkommunaler Zusammenarbeit. 

Urban Diplomacy als strategische Notwendigkeit 

Urban Diplomacy, also die strategische Zusammenarbeit zwischen Städten über institutionelle, politische und kulturelle Grenzen hinweg, gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. Denn viele der Herausforderungen, vor denen Städte stehen – von der Digitalisierung über Klimaanpassung bis zur Verwaltungsmodernisierung – lassen sich nicht mehr isoliert lösen. Sie erfordern gemeinsame Lernprozesse, geteilte Infrastrukturen und einen aktiven Austausch von Erfahrungen, Erfolgen – und auch dem, was nicht funktioniert hat. Urban Diplomacy ist dabei kein „add-on“, sondern Voraussetzung für einen handlungsfähigen Staat: Sie schafft Vertrauen, wo Unsicherheit herrscht – und Verbindlichkeit, wo sich Zuständigkeiten überlagern. 

Wenn städtischer Austausch nicht nur als Pflichttermin, sondern als gestaltbare Möglichkeit begriffen wird – mit Klarheit über das Warum und Neugier auf das Gegenüber, dann wird Netzwerken wieder zu dem, was es sein sollte: Ein Versprechen auf gemeinsam gestaltbare Zukunft.