Digitale Perspektiven auf ökologische Räume
Bereits zum siebten Mal haben wir im CityLAB die Türen geöffnet, um gemeinsam mit Tüftler:innen, Studierenden und Expert:innen im Rahmen der CityLAB Summer School an Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu arbeiten. Angesichts immer häufiger auftretender Dürreperioden und Waldbrände stellten wir uns in diesem Jahr die Frage: Was wäre, wenn der Wald mit uns sprechen könnte – über Sensoren, Datenströme und Klänge? Und wie können digitale Technologien dazu beitragen, Stadt und Natur enger miteinander zu verweben?

Von der Idee zur Umsetzung
Die CityLAB Summer School 2025 suchte nach Antworten auf genau diese Fragen. Zwei Wochen lang verwandelte sich das CityLAB in Kooperation mit der HTW Berlin, dem Reallabor Wald der TU Berlin, der Technologiestiftung Berlin und dem ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, in eine Werkstatt für digitales und analoges Blätterrauschen. Im Mittelpunkt standen fliegende Sensoren, interaktive Augmented-Reality-Anwendungen für den Stadtraum und Machine-Learning-Ansätze für Umweltkrisenfälle. Durch kreativen Technikeinsatz und neue ökologische Perspektiven wurde die Beziehung zwischen Menschen, Maschinen und Bäumen weitergedacht – immer mit dem Ziel, digitale Innovation und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden.
Der Wald als Reallabor
Ausgehend vom diesjährigen Summer School-Thema „Stadt.Wald.Labor. – Digitale Perspektiven auf ökologische Räume” erforschten rund 15 Teilnehmende, wie Technologie, Kunst und Wissenschaft verschmelzen können, um neue Formen des Zugangs zur Natur zu schaffen. Mithilfe von Heliumballons und einigen Zeilen Code entstanden beispielsweise DIY-Drohnen zur Erkennung von Baumarten oder Visualisierungen, die gebundenes CO₂ pro Baum sichtbar machen. Im Folgenden präsentieren wir die Projektergebnisse:
Not a Drone – Ein Branderkennungsprototyp
Das Projekt „Not a Drone“ befasst sich mit einem Thema, das angesichts zunehmender Hitzeperioden und Dürre in Europa immer dringlicher wird: Der Früherkennung von Waldbränden. Das Studierendenteam entwickelte einen kostengünstigen und flexiblen Prototyp, bei dem eine Kameraeinheit an einem Heliumballon befestigt ist. Diese nimmt in regelmäßigen Abständen Bilder der Umgebung auf und analysiert sie mithilfe eines ESP32-S3 Mikrocontrollers auf feuerähnliche Farben. Erkennt das System Anzeichen eines Brandes, wird automatisch eine Warnmeldung mit Positionsdaten an die Feuerwehr übermittelt.
Der Ansatz zeigt greifbar, dass Frühwarnsysteme auch mit einfachen Mitteln realisierbar sind: Das System kann über Wochen hinweg mit Solarenergie betrieben werden, deckt einen Radius von bis zu zwei Kilometern ab und lässt sich nach der Gefahrensaison problemlos wiederverwenden. „Not a Drone“ verbindet so technische Kreativität mit praktischem Umweltschutz. Ein schönes Beispiel dafür, wie innovative Ideen aus der Summer School echte Lösungen für aktuelle Herausforderungen schaffen.
Hier geht es zur Projektdokumentation.


Baumfakt AR App – Den Beitrag von Bäumen sichtbar machen
Die Baumfakt AR App entstand aus der Idee, den Einfluss von Bäumen auf das städtische Mikroklima sichtbar zu machen. Statt abstrakte Karten zu nutzen, entschied sich das Team für eine Augmented-Reality-Anwendung, die Nutzenden direkt vor Ort zeigt, wie ein Baum zur CO₂-Aufnahme und O₂-Produktion beiträgt. Auf Basis von Daten aus dem Berliner Baumkataster visualisiert die App den Prozess der Photosynthese mithilfe schwebender Moleküle und nutzt anschauliche Vergleiche, etwa in Atemzügen oder Alltagsobjekten, um den ökologischen Wert der Bäume greifbar zu machen.
Für die technische Umsetzung setzten die Studierenden auf JavaScript, HTML und AR.js. Die Herausforderung bestand darin, AR-Elemente und Textinformationen stabil und interaktiv zu verbinden, ohne dass sich die Darstellungen überlagern. Das Ergebnis ist ein funktionierendes Minimum Viable Product (MVP – erste Grundversion eines Produkts), das zeigt, wie Datenvisualisierung und Umweltbewusstsein auf kreative Weise kombiniert werden können. Ein eindrucksvolles Beispiel für digitale Nachhaltigkeitsbildung in der Stadt.
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Zwischen Expertise und Experiment – Stimmen unserer Projektpartner:innen
Doch jenseits der Projekte ging es um etwas Tieferes: um das Lernen durch Machen, um das Zuhören statt Messen, um ein anderes Verhältnis zwischen Stadt, Technologie und Natur. Die Summer School wurde zu einem Ort, an dem ökologische Sensibilität auf digitale Neugier traf – und aus Experimenten kleine Zukunftsentwürfe wuchsen.
Wie wichtig es ist, den Studierenden ein holistisches Verständnis von Ökologie in der Technologieentwicklung zu vermitteln und auf diese Weise die komplexen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Akteur:innen und Ebenen praktisch zu erforschen, betonte Athena Grandis vom Reallabor Wald der TU Berlin:
“Besonders beeindruckend fand ich wie die Studierenden sich den unterschiedlichen Problemen, die im Schaffungsprozess aufgetreten sind, gestellt und Lösungen gefunden haben. Dabei haben sie Software, Hardware, ökologisches Denken und gesellschaftlichen Nutzen zusammengebracht.” Athena Grandis, Reallabor Wald, TU Berlin
Neben einem Exkurs zum ZK/U wurde die Summer School auch in diesem Jahr wieder durch verschiedene Workshops und Impulsvorträge von Expert:innen begleitet – unter anderem von Anna Meide von der Open Data Informationsstelle (ODIS) Berlin, die einen Einblick in die Welt der Datenvisualisierung gab:
“Bei der diesjährigen CityLAB Summer School 2025 hatte ich die große Ehre und das große Vergnügen die Seiten zu wechseln. Als Studentin fand ich 2018 selbst über die Summer School zum CityLAB und bin jetzt froh das in der Praxis erprobte Wissen meiner Arbeit der letzten Jahre an die nächste Student:innengeneration weitergeben zu können. Als dann in der Endpräsentation die Traube glitzernder, blauer Heliumballons aufstieg und den Sensor über den Papierwald trug, wusste ich – wirklich tolle Projekte, selbst in der utopischen Welt von Star Trek hätte es nicht schöner glitzern können!” Anna Meide, ODIS Berlin
Auch Prof. Dr. Olga Willner von der HTW Berlin blickte mit Begeisterung auf die zweiwöchige Summer School zurück und hob die interdisziplinäre Zusammenarbeit hervor:
„Unsere siebte gemeinsame Summer School war ein absolutes Highlight mit großartigen Projekten aus dem „Reallabor Wald“ der TU Berlin! Drohnen, EdgeAI, Augmented Reality – alles, was man sich wünschen kann. Gekrönt wurde die Woche durch die Abschlusspräsentationen vor der einmaligen Panorama-Kulisse im ZK/U. Eine tolle Zusammenarbeit mit dem CityLAB und der TU Berlin – so macht interdisziplinäres Arbeiten an der Zukunft unserer Stadt richtig Spaß.“ Prof. Dr. Olga Willner, HTW Berlin
Die Stimmen unserer Praxispartner:innen zeigen nicht zuletzt, was die Summer School so besonders macht: ein lebendiges Miteinander aus Forschung, Gestaltung und Engagement – getragen von Menschen, die Stadt und Natur nicht als Gegensätze, sondern als gemeinsame Aufgabe begreifen.
Abschluss und Ausblick
Das große Interesse und die zahlreichen Nachfragen während der öffentlichen Abschlusspräsentation machten deutlich, dass die Themen der Summer School weit über den Kreis der Teilnehmenden hinaus Resonanz fanden. Im Rückblick bleibt das Gefühl einer Woche, in der sich das Denken über Stadt veränderte: weniger als Infrastruktur, mehr als Ökosystem; weniger als Plan, mehr als Prozess. Vielleicht beginnt nachhaltige Stadtentwicklung genau hier: Im gemeinsamen Staunen über die unsichtbaren Verbindungen zwischen Sensoren, Wurzeln und Ideen.

