KI trifft auf Berufsorientierung: Mit AzuKI im Realitätscheck

Was wir bei unserem größten User Testing vor Ort über die Zielgruppe junge Erwachsene gelernt haben – und darüber, was KI mit Traumberufen zu tun hat.

Von Björn Mohr – 7. April 2026

Für uns im CityLAB ist es immer ein besonderer Moment, wenn wir unsere Prototypen mit den Nutzer:innen ausprobieren und ihre Meinung dazu einholen können. Noch schöner wird es, wenn sich unsere historischen Räume im Tempelhofer Flughafen einen Tag lang mit der Generation füllen, die mit Künstlicher Intelligenz aufwächst – und der wir unseren KI-Ausbildungsassistenten aus unserem Projekt “Dein Ausbildungsassistent” (Arbeitstitel AzuKI) vorstellen durften. Junge Menschen, die ihren Berufsweg noch vor sich haben, trafen auf Akteur:innen aus Bildung, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Tech. Das Publikum hatte einiges zu sagen und hat uns damit mehr als einmal überrascht.

Tim Schnettker, Service Designer im CityLAB Berlin
Mirjam Giakupian, Team Lead bei joblinge gAG Berlin

Dass wir dieses Event und den Prototypen so nah an der jungen Zielgruppe entwickeln konnten, verdanken wir vor allem der Zusammenarbeit mit JOBLINGE. Ihr direkter Zugang zu Jugendlichen und jungen Erwachsenenen macht deutlich, wie wichtig solche Multiplikator:innen und Akteur:innen für öffentliche Innovation sind – denn ohne sie bleiben die eigentlichen Nutzer:innen oft unerreichbar.

Was dabei entstand, war mehr als erwartet. Unsere Expertisen – aus unterschiedlichen Altersgruppen und Perspektiven – haben sich gegenseitig beflügelt und das Event zu etwas gemacht, das speziell für unsere Zielgruppe und ihre Bedürfnisse funktioniert. Aus einem Testing wurde plötzlich ein Kennenlernspiel, aus einer Feedback-Session wurden Papierflieger.

No Gatekeeping – Ausbildungssuchende, Fachleute und AzuKI an einem Ort

Was kann ich gut? Was macht mir Freude? Was ist mir wichtig? Mit diesen Fragen beginnt meist die Suche nach der richtigen Ausbildung. Wer nicht von Kindheit an wusste, was er oder sie werden will, kann angesichts so vieler Möglichkeiten schnell den Überblick verlieren.

AzuKI soll hierbei helfen. Eine einfache und intuitive KI-Anwendung, die mir die richtigen Fragen stellt, damit ich mehr über mich erfahre. Aus den Antworten wird ein Profil meiner Interessen, Fähigkeiten und Werte erstellt. Diese werden dann mit den vielen hundert Ausbildungsberufen verglichen und gematcht. Das Besondere: Ich kann alles eingeben, was ich möchte – auch außerhalb der festgelegten Kategorien. AzuKI kann freie Eingaben verstehen und verarbeiten. Und wenn ich AzuKI mal nicht verstehen sollte, kann mir die KI individuell Fragen beantworten und sich dabei an meine Sprachgewohnheiten anpassen.

Die KI auf die Probe stellen: Die Generation KI als beste Kritiker:innen

Eine Applikation ist auch nur so gut wie ihre diejenigen, die sie entwickeln. Und wer käme dabei besser in Frage als die Zielgruppe selbst? Durch das Projekt hindurch wurden die jungen Menschen immer wieder involviert, probierten aus und gaben wertvolle Richtungen und Impulse vor, in die sich das Produkt entwickeln sollte. Dabei stellten sie vor allem die „Intelligenz“ der KI ordentlich auf die Probe, denn es zeigt sich: Eine Ausbildung ist so vielfältig und individuell wie ihre Auszubildenden.

Beim Testlauf fällt auf: Viele junge Teilnehmer:innen sind mit den KI-Vorschlägen nicht einverstanden. Sie sind irritiert, warum ihnen plötzlich Berufe präsentiert werden, die sie gar nicht im Visier hatten. Gut so. Wo Reibung und Irritation entsteht, da wird kritisiert. Sind die Vorschläge nicht gut genug abgestimmt? Braucht es mehr Fragen und Eingaben der Nutzer:innen? Oder tut die Anwendung genau das, was sie soll, nämlich die Perspektive erweitern und unerwartete Ergebnisse liefern?

In einem Fall ist die Irritation schnell aufgelöst. Ein zweites Mal beantwortet die Teilnehmerin die Fragen – dieses Mal schreibt sie auch ihr „geheimes Talent“ in die Textbox. Nun ist sie sehr zufrieden mit den Vorschlägen. Wir lernen daraus: Die Anwendung sollte Nutzer:innen mehr ermutigen, versteckte Talente preiszugeben.

Fliegendes Feedback für zielgruppengerechtes User Testing

Wir wollen an diesem Tag möglichst viel von unseren Teilnehmer:innen erfahren. Welche Herausforderungen und Themen treiben sie um? Trifft die Anwendung ihre Bedürfnisse? Was müssen wir noch besser machen, damit sie im Alltag zum Einsatz kommen kann? Damit das viele Feedback nicht ermüdet, haben wir uns eine Reihe von Formaten ausgedacht – digital und analog:

  • Direktes Testen der Anwendung mit Beobachtung und Nachfragen
  • Strukturierte Feedback-Runden in verschiedenen Kleingruppen
  • Digitale Abstimmungen mit dem Handy mit Live-Ergebnissen auf dem Großbildschirm

Das Highlight zum Abschluss sind die Papierflieger. Die Teilnehmenden können auf verschiedenfarbigen A4-Seiten ihre Meinung dazu mitteilen, was sie der KI ausdrücklich nicht anvertrauen würden und was sie am Bewerbungsprozess am meisten herausfordert. Diese bunten Blätter wurden dann zu Papierfliegern gefaltet und auf Kommando gleichzeitig Richtung Bühne gelauncht.

Blick nach vorne – AI fluent und sicher in der Ausbildungssuche?

Unser Projekt „Dein Ausbildungsassistent“ läuft noch bis Dezember 2027 und wird von Civic Innovation Platform des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert. Es setzt auf ein Open-Source-basiertes Large Language Model und nutzt Daten zu Ausbildungsplätzen sowie die Expertise von JOBLINGE Berlin.
Durch gezielte Fragen erstellt die KI-Anwendung ein individuelles Kompetenzprofil und vergleicht es mit relevanten Ausbildungsberufen. Ergänzend dazu bietet das Tool Hinweise auf persönliche Beratungsangebote, um neben den KI-gestützten Empfehlungen zusätzliche Unterstützung bereitzustellen.

Die nächste Prototyp-Runde startet bald – natürlich wieder gemeinsam mit denjenigen, für die wir bauen. Denn nur so entsteht ein Tool, das nicht nur technologisch beeindruckt, sondern echte Türen in Richtung Traumberuf öffnet.

Wenn sich junge Menschen gesehen fühlen und ein Werkzeug haben, das wirklich zu ihnen passt, entsteht Selbstvertrauen. Das ist unser Ziel. Und das Event hat gezeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.