Das neue Jahr ist noch jung, die Liste an Vorhaben und Ideen jedoch lang: Nachdem wir 2025 im CityLAB bereits ein ereignisreiches Jahr gemeistert haben, starten wir mit vielen neuen Themen in ein Jahr, das ebenso viele neue Chancen bietet. Darunter neben der Weiterentwicklung von BärGPT die Möglichkeit, bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl Schwerpunkte zu setzen, die die Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung nach vorne bringen. Unser CityLAB-Leiter Dr. Benjamin Seibel hat da natürlich ebenfalls die ein oder andere Idee auf Lager. Wie er auf 2026 blickt und was ihn zuversichtlich stimmt, darauf gibt er hier fünf Antworten.

1. Worauf bist Du dieses Jahr besonders gespannt?
In der Verwaltungsdigitalisierung ist gerade viel Bewegung. Die Trägheit der Vergangenheit war ein Luxus, den wir uns schlicht nicht mehr leisten können. Das hat mit der weltpolitischen Lage zu tun, aber auch mit disruptiven technischen Entwicklungen. Ich sehe jetzt viel mehr Bereitschaft, das bisherige Klein-Klein zu überwinden und wirklich neue Wege zu gehen. Für uns als Innovationseinheit ist das spannend, weil unsere Arbeit in so einer Situation einen viel größeren Impact haben kann. Das hat auch Konsequenzen für unsere strategische Ausrichtung. Wie ich im Vorwort unseres Jahresrückblicks 2025 schrieb, bohren wir inzwischen auch mal an dickeren Brettern. Experimentieren ist wichtig, aber letztlich geht es um nachhaltige Wirkung und Veränderung.
In Berlin wurde zuletzt vieles auf den Weg gebracht, um die Rahmenbedingungen zu verbessern. Zuvorderst natürlich die Verwaltungsreform, aber auch Erleichterungen im Vergaberecht, eine Cloud- und eine Open Source-Strategie. Diese Chancen müssen wir nutzen. Persönlich bin ich sehr gespannt auf die weiteren Aktivitäten der Bundesebene, etwa wie es mit dem „Deutschland-Stack“ weitergeht. Die Tendenz zu mehr Zentralisierung finde ich richtig, aber am Ende kommt es darauf an, dass Länder und Kommunen diese Angebote dann auch unkompliziert in Anspruch nehmen können. Für unser Projekt BärGPT können wir zum Beispiel die souveräne Cloud-Infrastruktur von GovTech Deutschland nutzen, das ist eine echte Erleichterung.
Für uns im CityLAB zeichnet sich ein sehr intensives Jahr ab, unsere Roadmap ist schon im Januar randvoll. Ein Netzwerk-Highlight wird definitiv unsere jährliche Sommerkonferenz, am 3. Juni im Umweltforum in Berlin. Gerade haben wir den Open Call für Beiträge veröffentlicht.
2. BärGPT ist eines der Erfolgsprojekte von 2025. Wie geht es 2026 weiter?
Wir sind überwältigt, wie gut BärGPT von den nun schon über 10.000 Nutzenden der Berliner Verwaltung angenommen wurde. Das freut mich auch für unser Team, das hier wirklich über sich hinausgewachsen ist. Trotzdem geht die Arbeit weiter – wir haben gerade erst ein größeres Update ausgerollt, das ein neues Sprachmodell und weitere Features umsetzt. Und die nächsten Updates sind schon in Planung. Besonders interessant dürfte die Anbindung von MCP-Servern werden, die es ermöglicht, dass BärGPT sich mit anderen Systemen verbindet, etwa mit unserem beliebten KI-Recherchetool Parla. Da sehen die ersten Experimente sehr vielversprechend aus.
3. Dieses Jahr wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Welche Themen im Bereich Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung würdest Du gerne prominent platziert sehen?
Die Liste ist natürlich lang, auch wenn die Themen im Detail komplex und damit nur bedingt wahlkampftauglich sind. Klar ist, dass wir deutlich mehr Geschwindigkeit und Agilität im ganzen IT-Lebenszyklus brauchen: Dass von der ersten Bedarfsmeldung bis zur produktiv nutzbaren Lösung in der Verwaltung mitunter Jahre vergehen, das ist einfach nicht mehr zumutbar. Vor allem weil unzählige Abstimmungsrunden ja auch gar nicht unbedingt zu besseren Ergebnissen führen. Da müssen wir sehr viel pragmatischer werden, Prozesse verschlanken und mehr Entscheidungsfähigkeit herstellen.
Enorm wichtig finde ich auch den Aufbau einer übergreifenden Dateninfrastruktur, den Berliner Data Hub. Das klingt erstmal sperrig, ist aber Grundlagenarbeit dafür, dass die Berliner Verwaltung zukunftsfähig wird. Ohne gute Datengrundlage stoßen zum Beispiel auch KI-Anwendungen schnell an ihre Grenzen. Für ein modernes Datenmanagement braucht man aber neben Technologie auch qualifiziertes Personal und die richtigen Governance-Strukturen – in der aktuellen Haushaltslage natürlich eine Herausforderung.
4. Was stimmt Dich in Vorausschau auf dieses Jahr zuversichtlich – vor allem in Hinblick auf die aktuelle Entwicklung von KI?
Dass wir im Hype Cycle jetzt langsam auf das „Plateau der Produktivität“ zusteuern. Wir erleben erste echte Mehrwerte, aber da geht noch viel mehr. Die Verbindung von Datenmanagement und KI könnte in den nächsten Jahren einen Großteil der klassischen IT-Fachverfahren überflüssig machen. Da gibt es bereits große Fortschritte bei der KI-gestützten Sachbearbeitung, wo Bearbeitungszeiten wirklich drastisch reduziert werden. Auch für Bürgerinnen und Bürger ist Erleichterung zu erwarten: Vielleicht muss ich den Antrag beim Amt bald gar nicht mehr selbst ausfüllen, sondern schicke einfach eine KI los, die sich für mich durch die Bürokratie arbeitet. Ohne schon zu viel zu verraten: Wir arbeiten daran!
5. Was wünscht Du Dir für das CityLAB-Team?
Dass wir uns die positive Energie, die Neugier und den guten Team Spirit erhalten, die unsere Arbeit prägen. Die Rahmenbedingungen im öffentlichen Sektor können schon mal herausfordernd sein, vor allem wenn man, wie wir, Feuer und Flamme für die gute Sache ist und etwas bewegen will. Als Teil der Technologiestiftung Berlin konnten wir in einem idealen Umfeld, nah an der Verwaltung, aber eben auch mit der nötigen Beinfreiheit, ein schlagkräftiges Team aufbauen, das seinen Mehrwert für die Stadt unter Beweis gestellt hat. Jetzt muss es darum gehen, dass wir diese Erfolgsgeschichte verstetigen und eine langfristige Perspektive entwickeln, ohne den einzigartigen Charakter eines Innovationslabors zu verlieren.
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