Stadtlabor2Go von der Idee in die gemeinsame Praxis – Ein Jahresrückblick

Von Yannick Müller – 20. Januar 2026

Manchmal beginnen die besten Projekte nicht in Besprechungsräumen, sondern auf einer Treppe, mit Fritten in der einen und Bubble Tea in der anderen Hand. Genau so nahm Stadtlabor2Go bei der CityLAB-Sommerkonferenz 2024 Fahrt auf: Drei Städte, ein gemeinsames Ziel und die Erkenntnis, dass Verwaltung schneller, mutiger und offener sein kann, als oft angenommen. Heute, ein Jahr später, ist aus dieser spontanen Idee ein skalierbares Modell geworden, das digitale Stadtentwicklung bürgernah, niedrigschwellig und handfest in die kommunale Praxis bringt. 

Wie alles begann

Der Funke sprang, als Teams aus Wiesbaden, Mönchengladbach und Berlin erstmals zusammenkamen und erlebten, wie viel Energie entsteht, wenn Kommunen sich vertrauensvoll vernetzen. In dieser Phase übernahm das CityLAB der Technologiestiftung eine zentrale Rolle: Ziel war es, eigene Formate so zu entwickeln, dass sie auf andere Städte übertragbar sind, und gleichzeitig Kommunen mit ihren Ideen durch Service-Design-Know-how zu unterstützen, weiterzuentwickeln und gemeinsam zu verbessern. Die Startphase war bewusst schnell; geprägt von gegenseitigen Besuchen, Workshops und ersten Mini-Formaten, die zeigten, wie viel Kompetenz, Offenheit und Experimentierfreude auf allen Seiten vorhanden war. Der Aha-Moment: Es geht. Verwaltung kann schnell sein. 

Martina Neute, Stadt Mönchengladbach
CityLab Sommerkonferenz 2024, Impulsvortrag
Atmosphäre CityLAB Sommerkonferenz 2024
Haus Ungarn, Alexanderplatz
Besuch Stadtbibliothek Mönchengladbach
Neues Zuhause des Stadtlabor.mg, Besichtigung und Austausch
Eröffnung Zukunftswerk Wiesbaden
Gruppenfoto zum Auftakt

Schnell starten und beim Ausprobieren dazulernen

Stadtlabor2Go setzt nicht auf perfektes Planen, sondern auf iteratives Arbeiten: testen, anpassen, weitermachen. Bürgerbeteiligung ist dabei kein Risiko, sondern ein Beschleuniger. Frühe User Tests, offene Workshops und Prototyping im Stadtraum halfen, Berührungsängste abzubauen – bei den Verwaltungen ebenso wie bei den Nutzer:innen. 

Das Leitmotiv des Jahres: Verwaltung wird besser, wenn sie sich traut, gemeinsam zu lernen. Und ja: Auch „KI zum Anfassen“ auf dem Rathausplatz oder ein Usability Testessen in der Mittagspause gehören dazu.

Konkrete gemeinsame Schritte

Schon in den ersten Monaten entstanden Formate, die in beiden Städten funktionierten – und sich gleichzeitig lokal unterscheiden durften: 

  • Usability Testessen für den KI-Chatbot, angelehnt an Formate wie das GovTech Testlabor. 
  • KI zum Anfassen mit interaktiven Exponaten, die neugierig machen, statt abzuschrecken. 
  • Kiezlabor- und Kiezvision-Formate, die Beteiligung in den Alltag holen. 
  • Citizen-Science-Workshops, z.B. mit Sensoren, um die urbane Umgebung besser zu verstehen. 
  • Smartphone-Kurse für Senior:innen, ChatGPT-Einführungen und Digitalsprechstunden. 
  • Workshops für Kinder, Eltern und Schulen zum Thema KI. 
  • After-Work-Formate für Verwaltungsmitarbeitende, um Trends und Tools praxisnah kennenzulernen. 

Diese Vielfalt zeigt: Stadtlabor2Go ist kein starres Konzept, sondern ein Werkzeugkasten, aus dem sich jede Kommune das Passende nimmt.

Workshop im Zukunftswerk Wiesbaden
Teilnehmende bei einer Veranstaltung
Makerspace Stadtbibliothek Mönchengladbach
Als Teil des Stadtlabor.mg

Erste Erfolge und Meilensteine 

2025 brachte eine ganze Reihe von Highlights: 

  • Januar & Juni 2025 – Eröffnung des Zukunftswerks Wiesbaden und des stadtlabor.mg: Beide mit politischem Rückenwind. Ohne die Unterstützung der Bürgermeister und Dezernent:innen wäre diese Geschwindigkeit nicht möglich gewesen. 
  • März 2025 – Auszeichnung mit dem Ko-Pionier-Preis: Der erste Platz in der Kategorie „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ war ein starkes Signal für den Wert von Nachnutzung und gemeinsamer Digitalisierung. Ein Grund zum Feiern!  
  • Juni 2025 – Ein Jahr später zurück auf der Sommerkonferenz: Dieses Mal als eingeschworene Projektpartner auf der Hauptbühne. Das Motto „Copy + Paste ausdrücklich erlaubt“ brachte es auf den Punkt: Warum neu erfinden, was anderswo schon gut funktioniert? 
  • November 2025 – Public Service Lab Day in Wiesbaden: Mit Besucher:innen aus ganz Deutschland und der Schweiz. Stadtlabor2Go war prominent vertreten. Die wachsenden Teilnehmerzahlen sprechen für den Bedarf an niedrigschwelligen Digitalformaten. 

All diese Schritte zeigen: Beteiligung wirkt. Und sie macht Lust auf mehr. 

Preisverleihung Ko-pionier-Preis von Re:form
Gruppenfoto, Konferenz Digitaler Staat 2025
Panel CityLAB Sommerkonferenz 2025 „Copy + Paste ausdrücklich erlaubt“
Niklas Kossow, CityLAB Berlin, Projektpartner Kira Tillmanns, Mönchengladbach & Jan Klumb, Wiesbaden im Austausch mit Franziska Harder, KGST

Ausblick 

Stadtlabor2Go geht 2026 in die nächste Entwicklungsphase und setzt dabei auf Vertiefung und Öffnung. Im Mittelpunkt stehen ein intensiverer Wissensaustausch zwischen den beteiligten Laboren sowie der Aufbau einer gemeinsamen, offenen Wissensbasis, die Erfahrungen, Methoden und Erkenntnisse bündelt. Gleichzeitig sollen noch mehr Formate und Tools entstehen, die sich leicht auf andere Kommunen übertragen lassen. Ergänzt wird dies durch die Einladung an weitere Städte, Teil des Netzwerks zu werden und ihre Perspektiven einzubringen. Die Vision bleibt dabei klar: Ein kooperatives Modell, das Verwaltung langfristig mutiger, bürgernäher und handlungsfähiger macht; nachhaltig und mit Leidenschaft.