Gieß den Kiez

Die Berliner Stadtbäume sind durstig- und „Gieß den Kiez“ spendet Hilfe. Die vom CityLAB Berlin der Technologiestiftung Berlin entwickelte Open Source-Anwendung lokalisiert auf einer interaktiven Karte rund 750.000 Berliner Stadtbäume.

Der folgende Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung von future4public und wurde dort am 06. August 2021 veröffentlicht.

Die Berliner Stadtbäume sind durstig- und „Gieß den Kiez“ spendet Hilfe. Die vom CityLAB Berlin der Technologiestiftung Berlin entwickelte Open Source-Anwendung lokalisiert auf einer interaktiven Karte rund 750.000 Berliner Stadtbäume. Berliner:innen können sich mithilfe der Anwendung über Art und Alter der Bäume informieren, den aktuellen „Wasserstand“ ablesen und sogar Bäume adoptieren, gießen und markieren. Über 2.070 Nutzer:innen verzeichnet die Plattform schon – und die Community wächst!

Die Folgen des Klimawandels, insbesondere die trockenen und heißen Sommer, belasten das Berliner Ökosystem. Die Stadtbäume vertrocknen und tragen langfristige Schäden davon: In den letzten Jahren mussten immer mehr Bäume gefällt werden und ihre Lebensdauer sinkt. Inzwischen wird die Bevölkerung regelmäßig zur Unterstützung aufgerufen, wie jüngst von Wirtschaftssenatorin Ramona PopDie Berliner Straßenbäume sind durch die geringen Niederschläge besonders in Gefahr, sie brauchen dringend Wasser, so die Senatorin. Sie leiden unter der Trockenheit, die Klimakrise ist heute schon Realität.

Mit dem Projekt Gieß den Kiez hat das CityLAB Berlin der Technologiestiftung Berlin ein Projekt ins Leben gerufen, das eine koordinierte Bürger:innenbeteiligung bei der Bewässerung des städtischen Grüns ermöglicht und das Engagement der Berliner:innen zeigt.

Foto: Florian Reimann

Gieß den Kiez zeigt fast alle Straßen- und Anlagenbäume Berlins mit Informationen wie deren Wasserbedarf, Alter und Art an und lädt alle Bürger:innen ein, sich an der Bewässerung des gefährdeten Baumbestands zu beteiligen. Bürger:innen können sich so über den Wasserbedarf von Bäumen in der Nachbarschaft informieren, markieren, wann sie wie viel gegossen haben, und Bäume adoptieren. Dabei stützt sich das Projekt vollständig auf Open Source-Code und nutzt offene Daten der Stadtverwaltung (Baumkataster), des Deutschen Wetterdienstes (täglicher Niederschlag) und von Open Street Map (Pumpen). 

Die wichtigsten Funktionen im Überblick:

  1. Übersicht des Berliner Baumbestands: Auf einer interaktiven Karte werden 750.000 Berliner Straßen- und Anlagenbäume visualisiert.
  2. Bäumen bewässern und adoptieren: Die Plattform zeigt an welche Bäume wie viel Wasser nötig haben, je nach Alter und städtischer Pflege. Nutzer:innen können angeben, wann sie einen Baum zuletzt gegossen haben. Bäume können auch adoptiert werden, wenn jemand sie regelmäßig gießen möchte. So können andere Nachbarn in der Umgebung sehen, welche Bäume ihre Aufmerksamkeit benötigen.
  3. Filterfunktion: Bäume können nach ihrem Alter und erhaltenen Gießungen gefiltert werden. So lassen sich über 300 Jahre alte Bäume finden!
  4. Geolokalisierung: Nutzer:innen können ihren Standort ermitteln lassen (freiwillig), um besser zum Baum zu navigieren
  5. Übersicht über Niederschlag: Mit Hilfe von tagesaktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes lässt sich für jeden Baum anzeigen, wie viel Regenwasser er in den letzten 30 Tagen erhalten hat.
  6. Über 1800 Pumpen: Brauchwasser eignet sich besser zum Gießen als Trinkwasser. Daher zeigt die Karte auch Pudie Berliner Plumpen und deren Funktionssstatus
  7. Weitere Informationen: Zusätzlich enthält die Plattform zahlreiche nützliche Informationen zur richtigen Bewässerung und zum Baumbestand, sowie relevante Links und Kontaktadressen.

Für die Saison 2021 wurde Gieß den Kiez in einem Developer Sprint einem Frühjahrsputz unterzogen und glänzt nun u.a. mit einem verbesserten Datenbankschema und einer größeren Server-Instanz. 

Gieß den Kiez in Zahlen

Im Mai 2020 ins Leben gerufen verzeichnet das Projekt inzwischen über 2.070 Nutzer:innen (Stand 13. Juli 2021). Dabei wurden in über 23.000 Gießungen ganze 687.065 Liter Wasser an die Berliner Bäume vergossen. Gerade an Tagen mit hohen Temperaturen greifen die Berliner Gießer:innen beherzt zur Gießkanne. 

Mitmachen!

Nicht nur den Berliner:innen liegen ihre Bäume am Herzen. Das Projekt hat inzwischen (inter)nationale Aufmerksamkeit erlangt und wird von immer mehr Städten adoptiert. Jüngst hat es Leipzig vorgemacht und die eigene Plattform Leipzig gießt erschaffen. Dabei zeigt sich in der Praxis, wie Open Source-Code zur Bereicherung wird. Städteübergreifende Initiativen werden möglich und können sich gegenseitig unterstützen und inspirieren. So entwickelte Leipzig kurzerhand eine Android-App für ihre Seite, die nun wiederum von Berlin adaptiert werden kann. 

Gemeinsam mit Leipzig wurde auch ein bundesweiter Baumtisch gegründet, der zu einem aktiven Austausch anregt und bei dem Ausschreibungen, Feature Requests und Literatur geteilt und ausgewertet werden.

Für alle, die sich ebenfalls Interesse daran haben, Gieß den Kiez für die eigene Heimat zu adaptieren, hat das CityLAB Berlin einen Workshop gegeben, der aufgezeichnet wurde und nun auf YouTube zu finden ist.

Techaffine Baumfreunde können außerdem einen Blick in den Quellcode im GitHub Repositorywerfen und dabei helfen, die Plattform weiterzuentwickeln.

Für die Community wurde außerdem ein öffentlicher Slack-Kanal eingerichtet, in dem ein lebhafter Austausch über die ganze Stadt hinweg stattfindet.

Foto: Florian Reimann