Rückblick: Open Source als Baustein einer europäischen Innovationspolitik

Mit dem Aktionsfeld Open Source widmen wir uns im Rahmen der Kampagne „Freiwilligenhaupstadt Berlin“ den vielen Facetten von Open Source Software. Denn Open Source ist längst kein reines Nerdthema mehr, sondern auch eine Haltungs- und Kulturfrage. Open Source zu coden und einzusetzen heißt zunächst, den eigenen Code öffentlich zugänglich zu machen. Jede und Jeder kann diesen einsehen, kopieren, weiterentwickeln und Anmerkungen hinterlassen. Doch der Grundgedanke von Open Source reicht noch weiter: Open Source wirft Fragen nach dem Umgang mit Ressourcen auf, nach der Bedeutung von geistigem Eigentum, nach der Zusammenarbeit von Gemeinschaften und nach digitaler Souveränität.

„Open Source ist nicht nur eine Software sondern eine Kultur, nämlich die einer offenen Wissensgesellschaft in der wir Wissen miteinander teilen!” fasst es Boris Hekele, Gründer von FixMyBerlin und Gast der ersten Veranstaltung, zusammen.

Begleitet wird das Aktionsfeld durch den Podcast “Open Source – Baustein einer demokratischen Technologiepolitik?” über den die Diskussionen und Beiträge im Nachgang angehört werden können.

Open Source als Baustein europäischer Innovationspolitik

In der Abschlussfolge unserer vierteiligen Podcast Reihe schlugen wir den Bogen zurück in den Bereich der Politik und beschäftigen uns mit den Fragen: Welche Rolle spielt Open Source im Rahmen von europäischer Innovationspolitik und welche Rolle wird es in Zukunft spielen? Zu Gast bei Dr. Benjamin Seibel (CityLAB) waren dieses Mal Matthias Kirschner von der Free Software Foundation und Rafael Laguna de la Vera von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND).

„Software muss erlauben, eigene Werte zu leben“

Matthias Kirschner, Free Software Foundation Europe (FSFE)

Eine kurze Geschichte der offenen Software

War in den 70er und 80er-Jahren ein Großteil der Software noch offen, da sich nur eine kleine Gruppe an Personen die Hardware leisten konnte, setzte sich in den 90er-Jahren vermehrt proprietäre Software durch, von der sich auch in den 2000er-Jahren die Verwaltungen in vielen Bereichen abhängig machte. Heute stehen wir nun vor der Herausforderung, Open Source und die damit verbundene offene Wissenskultur wieder zum Standard in den Behörden zu erheben.

Rafael de la Vera kommt von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), die sich mit Bedingungen und Voraussetzungen beschäftigt, die es benötigt, um Innovationen hervorzubringen, die unser Leben sprunghaft verändern und diese in volkswirtschaftliche nutzbringende Kreisläufe zu übertragen. Für ihn sehen wir uns zurzeit, statt mit einer freien Marktwirtschaft, mit einer Monopolstellung einzelner Firmen konfrontiert, die eben solch eine hohe Abhängigkeit hervorbringen.

Während das Thema Open Source zwar zunehmend seine Nische verlässt und Aufmerksamkeit vom Mainstream erhält, stellt sich jedoch die Frage, was es konkret bedarf, um die (europäische) Verwaltung wieder auf den „rechten“ Weg zurückzuführen. 

Ein europäisches Open Source Ökosystem

Zunächst fehle es an einer guten Strukturierung, an einer effektiven Evaluierung von Projekten und besonders an mehr konkreten Umsetzung von Open Source Projekten, so Matthias Kirschner von der Free Software Foundation. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen dazu zu befähigen, selbstbestimmt mit Software umzugehen, gibt Hilfe zu rechtlichen Fragestellungen und betreibt Policy Arbeit, um den Weg für Verwaltungen zu freier Software mitzugestalten.

Benötigt werde außerdem ein europäisches Open Source Ökosystem, das weg von einigen wenigen Anbietern geht – hin zu Offenheit und Konkurrenz und auf den Werten Transparenz und Vertrauenswürdigkeit basiert. Open Source kann an dieser Stelle zu einem derartigen werteorientierten europäischen Modell der Digitalpolitik beitragen, dass auch das europäische Profil schärfen und in Abgrenzung zur Digitalpolitik von beispielsweise China oder den Vereinigten Staaten stehen würde. 

Open Source und die Aufklärung

Ein europäisches Modell der Digitalpolitik könne so in der Tradition der Aufklärung stehen, verkürzt gesagt Kants Ruf „Sapere aude“ (Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen) folgen und durch den Einsatz und der Förderung von Open Source Infrastruktur zur digitalen Souveränität beitragen. Denn freie Software erlaubt letztlich jedem Menschen, sie zu verstehen, anzuwenden, weiterzuverbreiten und zu verbessern, somit also die Möglichkeit zur Veränderung geben und Selbstwirksamkeit fördern. „Software muss erlauben, eigene Werte zu leben”, so Matthias Kirschner.

Fazit: Zurzeit ist es noch schwierig, einen eigenen Weg in der Digitalpolitik Europas zu erkennen, der sich von den Modellen Chinas oder den Vereinigten Staaten unterscheidet. Open Source kann dabei zu einem europäischen Modell beitragen, das auf Wertorientierung und Transparenz beruht und sich in die Tradition der Aufklärung stellt. Getreu dem Motto „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, kann freie Software Menschen dazu zu befähigen, selbstbestimmt mit Software umzugehen und diese nach den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Damit dies auf europäischer Ebene zur Innovationskultur beitragen kann, muss ein Open Source Ökosystem geschaffen werden, das die Monopolstellung einzelner großer Unternehmen verhindert und Unabhängigkeit ermöglicht.

Was es sonst noch mit Open Source, der Aufklärung und der europäischen Innovationspolitik auf sich hat, könnt ihr in der zugehörigen Podcast-Folge hören.

Mit dem Aktionsfeld Open Source widmen wir uns im Rahmen des Aktionsjahres "Freiwilligenhaupstadt Berlin" und gefördert von der Schwarzkopf Stiftung den vielen Facetten die Open Source mit sich bringt. Begleitet wird das Aktionsfeld durch den Podcast “Open Source - Baustein einer demokratischen Technologiepolitik?” über den die Diskussionen und Beiträge im Nachgang angehört werden können. 

Die Köpfe des CityLAB: Malgorzata Magdon

Das CityLAB Berlin wäre nichts ohne seine Mitarbeiter:innen, die mit ganz unterschiedlicher Expertise, die Digitalisierung der Stadt Berlin voranzutreiben. Mit der Serie ‘die Köpfe des CityLAB’ stellen wir euch jeden Monat Teammitglieder des CityLAB Berlin vor.

Im Kopf von Malgorzata Magdon aka Gosia

1. Wer bist du und welche Rolle hast du am CityLAB?

Malgorzata, oder kurz Gosia, Koordinatorin im CityLAB. Ob die Organisation von Veranstaltungen, die Erstellung von Broschüren, oder die Einrichtung von Räumen. Sie versucht im Lab an jeder Ecke zu helfen.

2. Was ist dein Background?

Ich habe Architektur in Danzig studiert und mache jetzt einen Master in Denkmalpflege und Bauforschung. Beruflich beschäftige ich mich seit Jahren mit organisatorischen Themen. Sei es im Lab, oder davor in einem Co-Working-Space.

3. Was magst du an deiner Arbeit am CityLAB besonders?

Die Abwechslung der Themen, mit denen wir uns beschäftigen. Von Stadtbäumen über Mobilitätsdaten, bis zur digitalen Infrastruktur. Man kann an jeder Ecke etwas Neues lernen und sich über wichtige Themen informieren.

4. Wie sammelst und strukturierst du deine Gedanken?

Vielleicht liegt es an dem architektonischen Studium und dem jahrelangen Zeichnen, aber am besten übertrage ich meine Gedanken durch einen Stift auf Papier.

5. Welche(n) Newsletter hast Du abonniert? / Was liest du gerade?

In dem Thema bin ich auch old-school und lese keine Newsletter, sondern Bücher. Gerade ein Buch über die kulturelle und architektonische Veränderungen in Japan in den letzten 50 Jahren.

6. Was ist dein Lieblingsort in Berlin?

Das Tempelhofer Feld. Wahrscheinlich keine so überraschende Antwort. Jedoch freue ich mich jedes Mal, wenn ich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre und die Menschen bei unterschiedlichen Aktivitäten auf dem Feld beobachten kann. Es ist wirklich ein Ort der Freiheit.

7. Was macht ein gutes Team für dich aus?

Regelmäßiger und ungezwungener Austausch. Zusammenarbeit ist für mich das A und O eines erfolgreichen Teams.

8. Womit beginnst du deinen Arbeitstag?

Seit einem Jahr mit lüften des Raumes. Hahaha Sonst mit einem Check des Slack-Kanals, um am Laufenden zu bleiben und nichts vom vorherigen Tag zu verpassen.

9. Apple, Microsoft oder Linux?

Apple

10. Was gibt’s heute in der Mittagspause?

Da ich gerne selbstgekochtes esse und am Wochenende keine Zeit für Kochen hatte, gab es heute nur einen schnellgewürfelten Salat. Sonst gibt es aber eine abwechslungsreiche Küche, die polnische, vietnamesische und (selbstverständlich) italienische Einflüsse aufweist.

11. Was ist dein Lieblings-Shortcut?

Command-Q: Ich versuche öfters die Programme zu schließen, in denen ich gerade nicht arbeite, um einen besseren Überblick über meinen digitalen Schreibtisch zu haben.

12. Was ist das verrückteste, was dir je im LAB passiert ist?

Die Eröffnungsparty vom Lab gehörte auf jeden Fall zu den verrücktesten Tagen. Es lag zu einem daran, dass wir für die Vorbereitung nur knappe 6 Wochen Zeit hatten, und zu anderem an den vielen Gästen, die wir zu Besuch hatten. Zusätzlich gab es an dem Tag das größte Gewitter des Jahres, das mitten in der Veranstaltung anfing. Der Donner hat für spannende Hintergrundgeräusche während der Vorstellung gesorgt.

Die Köpfe des CityLAB: Edmundo Galindo

Das CityLAB Berlin wäre nichts ohne seine Mitarbeiter:innen, die mit ganz unterschiedlicher Expertise, die Digitalisierung der Stadt Berlin voranzutreiben. Mit der Serie ‘die Köpfe des CityLAB’ stellen wir euch jeden Monat Teammitglieder des CityLAB Berlin vor.

Im Kopf von Edmundo Galindo

1. Wer bist du und welche Rolle hast du am CityLAB?

Mein Name ist Edmundo (Alias Ed) und ich habe das große Glück eine wechselnde Rolle im Team zu haben. Was heißt das? Ich übernehme ganz verschiedene Rollen im Team und kann an verschiedenen Projekten von meinen Kolleg:innen mit verschiedenen Schwerpunkten unterstützen. Zum Beispiel bei der Konzeption und Durchführung von User Testings digitaler Anwendungen, bei der Erstellung und Gestaltung von User Interfaces oder prototypischen Lösungsansätzen von Digitalen Anwendungen (Wire Frames) für die Verwaltung und Zivilgesellschaft. Außerdem organisiere, konzipiere und führe ich Design Thinking Workshops inkl. Dokumentationen durch. Nicht zuletzt übernehme ich Aufgaben des wissenschaftlichen Recherchieren von Themen, die uns im CityLAB weiterbringen. Ich bin also ein Digital Enthusiast!

2. Was ist dein Background?

Ich habe an der Universität der Künste Berlin Industrial Design studiert und Interface Design an der Fachhochschule.

3. Was magst du an deiner Arbeit am CityLAB besonders?

Die Vielfältigkeit und Vielseitigkeit der Projekte, die wir als Team bearbeiten und vor allem die bereichernde Interaktion mit meinen Kolleg:innen, die ganz unterschiedliche Expertisen ins Team mitbringen und ich davon viel lernen und profitieren kann. Gleichzeitig die Unterstützung, Freiheit und Förderung der Zusammenarbeit in verschiedenen Teams, die selbständig aber auch gemeinsam Projekte organisieren, definieren, bearbeiten, gestalten und erschaffen.

4. Welches Bild beschreibt deine Arbeit am Besten?

Raumschiff „Enterprise“. Ich habe die große Freiheit mich im Team zu entfalten und zu schauen, wie ich meine Expertise in verschiedenen Bereichen einbringen kann. Also beame ich mich von A nach B oder fliege von C nach D, um meine Kolleg:innen zu unterstützen und mit ihnen Ideen zu generieren, partizipieren und erschaffen.

5. Wie sammelst und strukturierst du deine Gedanken?

Ich bin chaotisch, aber damit ich kein Chaos in meiner Arbeit verursache, habe ich eine „analoge Tafel“ auf der ich wild Post-ist mit meinen Gedanken, Ideen, To Do’s etc. beschreibe. Wenn mir nichts mehr einfällt, fange ich an sie zu clustern und definieren. Wenn ich damit fertig bin habe ich einen Plan wie ich Projekte oder Aufgabenstellungen bearbeiten kann.

Manchmal muss ich aber auch spontan für Kolleg:innen Aufgaben übernehmen und lösen, was eine gute Abwechslung in meine Arbeitsstruktur bringt und locker macht. 

6. Was macht ein gutes Team für dich aus?

Die Vielfalt an Expertise von Kolleg:innen, die unterschiedlich alt/jung sind. Wenn das Team aus verschiedenen Kulturen kommt, finde ich es persönlich super spannend, wie wir in der Zusammenarbeit unterschiedliche Perspektiven, Bedürfnisse und Wünsche von Stakeholdern wahrnehmen und dadurch die Vielfältigkeit von Lösungsansätzen für unsere Gesellschaft fördern. Wenn das Team mit Neugier, Offenheit und mit Hunger auf Neues arbeitet und bereit ist zu entdecken, auszuprobieren und zu experimentieren, damit wir Neuartiges erschaffen können. Und nicht zu vergessen, die tolle Atmosphäre, die mir viel Freude und Spaß bereitet.

7. Wofür brennst du?

Ich brenne für alles was mir eine Herausforderung bietet. Am meisten interessieren mich Aufgabenstellungen, bei denen wir der Verwaltung und der Zivilgesellschaft eine Teilhabe an Digitalisierung erleichtern, damit ihre Arbeitsprozesse oder Services vereinfacht und vereinheitlicht werden. Am Ende sollen die Anwendungen nicht nur ihre Arbeit erleichtern, sondern ich wünsche mir, dass sie Spaß an der Digitalisierung finden, weil wir nur so die Anwendungen partizipativer und lebenswerter für die unterschiedlichen Stakeholder gestalten können.

8. Vervollständige den Satz “Das CityLAB ist für mich ein Ort……”

Bei dem ich jeden Tag eine Entdeckungsreise durch eine digitale Welt mache, die ich neu entdecken und mit Zukunftsvisionen mitgestalten kann, damit Berlin Heute und in Zukunft lebenswerter wird.

9. Was gibt’s heute in der Mittagspause?

Selbstgemachte vegetarische Lasagne (Zucchini, Champignons, Tomatensoße [selbstgemacht], Paprika, Auberginen, Möhren, Zwiebeln, Sahne, Mascarpone, Käse) und als Nachtisch Zwetschken-Kuchen.

10. Die wichtigste Erkenntnis durch deine Arbeit am CityLAB Berlin?

Durch unsere gemeinsame (Teamarbeit) erkennen die Stakeholder, dass wir da sind, damit sie in der Digitalisierungswelt sich gut oder besser zurecht finden und Spaß haben können. Den „AHA-Effekt“ von Verwaltungsangestellten und der Senatskanzlei, wenn wir unsere Ergebnisse präsentieren und sie begeistert sind, weil wir „Pain Points“ finden und gute Lösungsansätze finden, die Ihnen die Arbeit erleichtern und verbessern. Die Herausforderungen an die Aufgabenstellungen werden größer und das bedeutet für mich, dass andere an uns glauben und vertrauen, damit wächst und gedeiht der Spirit des CityLAB. Das finde ich immer faszinierend und toll! Mit unserer Arbeit findet einen Wandel in der Digitalisierung statt und wir tragen dazu bei, dass sich etwas in der Gesellschaft verändert.

Rückblick: Open Source Hardware Workshop

Mit dem Aktionsfeld Open Source widmen wir uns im Rahmen der Kampagne „Freiwilligenhaupstadt Berlin“ den vielen Facetten von Open Source Software. Denn Open Source ist längst kein reines Nerdthema mehr, sondern auch eine Haltungs- und Kulturfrage. Open Source zu coden und einzusetzen heißt zunächst, den eigenen Code öffentlich zugänglich zu machen. Jede und Jeder kann diesen einsehen, kopieren, weiterentwickeln und Anmerkungen hinterlassen. Doch der Grundgedanke von Open Source reicht noch weiter: Open Source wirft Fragen nach dem Umgang mit Ressourcen auf, nach der Bedeutung von geistigem Eigentum hat, nach der Zusammenarbeit von Gemeinschaften funktionieren und nach digitaler Souveränität. „Open Source ist nicht nur eine Software sondern eine Kultur, nämlich die einer offenen Wissensgesellschaft in der wir Wissen miteinander teilen!” fasst es Boris Hekele, Gründer von FixMyBerlin und Gast der ersten Veranstaltung, zusammen.

Begleitet wird das Aktionsfeld durch den Podcast “Open Source – Baustein einer demokratischen Technologiepolitik?” über den die Diskussionen und Beiträge im Nachgang angehört werden können.

Open Source Hardware Workshop

Open Source ist nicht nur ein Softwarethema! Im Rahmen des Aktionsfeldes Open Source des EVC näherten wir uns auch seitens der Hardware dem Thema. 

Im Open Source Hardware Workshop in Kooperation mit der Technologiestiftung Berlin wurden mit der Hacking Box und ein wenig Kenntnis über Hardware und Elektronik, LED-Lichter nicht nur gestaltet, sondern auch selbst programmiert. Ob pink, grün oder Farbwechsel, pulsierend oder Dauerlicht, minimalistisches Design oder Partystimmung – der Kreativität waren dabei (fast) keine Grenzen gesetzt.

Experiment mit Leuchtdioden

Schritt für Schritt wurde den Teilnehmenden Grundkenntnisse der Elektrotechnik vermittelt, die sie im Workshop direkt praktisch anwenden konnten. Dafür wurden vorab Bauteile wie Microcontroller, USB Adapter, LED und Steckerleiste per Post verschickt und in einer gemeinsamen Videokonferenz zusammengebaut. 

Von ersten Steckübungen über eigene Codes schreiben bis hin zu bunten Prototypen konnte dabei jeder und jede mit und ohne Vorkenntnisse sich einbringen. 

Digitales Board mit Anleitung

Das Besondere daran: Je nachdem in welcher Umgebung die Teilnehmenden sich befanden kamen ganz eigene Add-ons dazu. Ob eine Kassettenhülle aus dem Kinderzimmer oder ein Fahrrad aus der Werkstatt, alles konnte gebraucht, verbaut und umgenutzt werden. Dies ermöglichte den Teilnehmenden einen ganz eigenen Zugang zum Thema Open Source. 

Am Ende standen eine Menge bunter Prototypen, die als blinkende Discokugeln nun einige Bewohner:innen, Fahrräder & Co der Stadt schmücken.

Mit dem Aktionsfeld Open Source widmen wir uns im Rahmen des Aktionsjahres "Freiwilligenhaupstadt Berlin" und gefördert von der Schwarzkopf Stiftung den vielen Facetten die Open Source mit sich bringt. Begleitet wird das Aktionsfeld durch den Podcast “Open Source - Baustein einer demokratischen Technologiepolitik?” über den die Diskussionen und Beiträge im Nachgang angehört werden können. 

Die Gießsaison neigt sich dem Ende zu!

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und damit auch die Zeit, in der die Bäume und Blumen wachsen, blühen und Früchte tragen. Im Herbst tauchen wir von den uns umgebenden grünen Blättern in die neue bunt leuchtende Farbwelt des Laubes ein. Wenn die Bäume zunehmend ihre Blätter verlieren, reduzieren sich auch ihre photosynthetische Prozesse und sie benötigen weniger Energie – und deswegen auch weniger Wasser. Mit dem offiziellen Ende der Vegetationsperiode am 30.09.2021 neigt sich deshalb auch die Gießsaison dem diesjährigen Ende zu. 

Wir wollen diesen Anlass nutzen auf die Gießsaison 2021 zurückzublicken und uns bei all denjenigen zu bedanken, die tatkräftig mit Gießkannen, Wassereimern und Schläuchen für die Bäume unserer Stadt gekämpft haben.

Viele von euch Berliner:innen haben, um ihr Engagement zu koordinieren, unsere Plattform Gieß den Kiez verwendet, eine kartenbasierte Anwendung die über 750.000 Straßen- und Anlagenbäume der Stadt Berlin visualisiert. Die Anwendung wurde Mitte Mai 2020 ins Leben gerufen und ist eine von vielen Antworten auf die anhaltenden Dürre- und Trockenperioden aufgrund derer in den letzten drei Jahren tausende Bäume in Berlin gefällt werden mussten. 
Seither wird Gieß den Kiez rege durch die Berliner:innen genutzt, die mit Hilfe einer interaktiven Karte protokollieren können wann, wie oft und mit wie viel Wasser sie einen Baum gegossen haben. Seit Launch der App zählen wir bis zum Ende der diesjährigen Vegetationsperiode stolze 2.085 Gießer:innen, die über 6.285 Bäume in über 25.900 Gießungen mit mehr als 775.000 Liter Wasser ehrenamtlich gegossen haben (Stand: 30. September 2021). Bravo!

Screenshot der interaktiven Karte von ODIS

Die Open Data Informationsstelle ODIS veröffentlicht in Zusammenarbeit mit dem CityLAB Daten zur Nutzung der Webseite giessdenkiez.de als Open Data. Das sind zum einen die KPI’s (Key-Performance-Indicators) wie z.B. Anzahl der Nutzer:innen, Anzahl der adoptierten Bäume aber auch Daten zu allen über die Webseite erfassten Bewässerungen. Während der Vegetationsperiode (01.03. bis 30.09.) werden die Daten regelmäßig zu Beginn eines Monats aktualisiert. 

Auf der Webseite der ODIS könnt ihr die Nutzerdaten von Gieß den Kiez auf interaktiven Karte erkunden. 

Screenshot der interaktiven Karte von ODIS

Schon gewusst? Gieß den Kiez ist eines von vielen Open Source-Projekten, die von der öffentlichen Verwaltung gefördert werden. Auf der Plattform Berlin Open Source könnt ihr weitere, öffentlich geförderte Open Source Projekte, wie z.B. die Berliner Erfrischungskarte entdecken.

Rückblick: Engagement nach Corona – Ist Digital das neue Normal?

Ein halbes Jahr nach dem Launch der Plattform Digital Vereint kamen die Teilnehmenden des Panels ‘Engagement nach Corona – Ist Digital das neue Normal?’ zusammen um zu diskutieren, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Demokratiesäule Ehrenamt hat und wie freiwilliges Engagement im Digitalen nachhaltig gestärkt werden kann.

Engagement in Zeiten der Corona-Pandemie

Laut der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS) engagieren sich derzeit 28,8 Millionen Menschen ehrenamtlich in Deutschland. Ihr Engagement erstreckt sich in politische, wirtschaftliche, kulturelle, soziale und ökologische Bereiche und stellt eine tragende Säule für die Gemeinschaft und die Demokratie Deutschlands dar. Ehrenamt baut und stärkt die soziale Infrastruktur und wirkt als sozial-integrative Kraft in der Gesellschaft. 

Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 zur Schließung des öffentlichen Lebens führte und sich dieses Leben gezwungenermaßen ins Digitale verlegte, standen auch die vielen freiwilligen Engagierten vor der Herausforderung, wie und ob sie ihre Tätigkeit im Digitalen fortsetzen können.

Nicht immer war dies einfach, wie Maryna Markova, Leiterin des Bereichs Eltern- und Familienbildung beim kurdischen Verein und Träger Yekmal e. V. und Teilnehmerin der Diskussionsrunde ‘Engagement nach Corona – Ist Digital das neue Normal?’ zu berichten weiß. War der Verein noch vor der Corona-Pandemie rein analog unterwegs, mussten sie in wenigen Tagen auf digitale Anwendungen umstellen und dabei mit sehr unterschiedlichen Niveaus an Vorwissen und Ausstattung im Bereich Digitalisierung umgehen. Während die einen recht problemlos auf Videocalls, WhatsApp und Co als Kommunikationsdienste umstellen konnten, wurde für andere selbst das Fax und das Telefon zur Herausforderung.

Eine Lücke, die das Angebot der Plattform Digital Vereint schließen möchte. Die von der Senatskanzlei geförderte Plattform ging Anfang 2021 online und hat zum Ziel, digitale zivilgesellschaftliche Arbeit bestmöglich zu unterstützen. Digital Vereint bietet kostenfreie Services für die digitale Zusammenarbeit, Möglichkeiten zur Vernetzung und Informationen zu digitalen Themen. Inzwischen unterstützt die Plattform über 200 Vereine bei ihrer Arbeit im Digitalen und wurde soeben mit einer weiteren Förderung der Senatskanzlei verlängert.


Ein halbes Jahr nach Launch der Plattform kamen die Teilnehmenden des Panels ‘Engagement nach Corona – Ist Digital das neue Normal?’ im B-Part Am Gleisdreieck zusammen um, moderiert von Ludwig Reicherstofer von irights.lab, zu diskutieren, welche Auswirkungen die Krise auf die Demokratiesäule Ehrenamt hat und wie freiwilliges Engagement im Digitalen gestärkt werden kann.

Corona und Ehrenamt – eine Bilanz !?

Für Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales hat die Corona-Pandemie auf ganz unterschiedlichen Ebenen Auswirkungen auf den ehrenamtlichen Bereich. Während es Mut gemacht hätte zu sehen, wie vielfältig die Menschen sich engagieren, hat die Pandemie auch zum Rückgang von Mitgliedern und Einnahmequellen geführt und somit viele Vereine und Initiativen vor große Herausforderungen gestellt. 

Ein Punkt, den auch Katarina Peranić, Vorständin der Deutschen Stiftung Engagement und Ehrenamt bestätigen kann. In mehreren Studien der Stiftung sei sowohl die Bedeutung der engagierten Zivilgesellschaft als auch ihre prekäre Situation festgestellt und belegt worden. 

Mit Soforthilfen seitens des Senats, dem Aufbau der Plattform Digital Vereint und Förderprogrammen durch die Deutsche Stiftung Engagement und Ehrenamt sei dem unter anderem begegnet worden, es wäre jedoch wichtig, so Staatssekretärin Sawsan Chebli, Engagement nicht nur als ein “nice to have” anzusehen, sondern ihm eine Systemrelevanz zuzuschreiben und nachhaltig zu unterstützen.

Diese Unterstützung muss über das Finanzielle hinausgehen und neben der Bereitstellung derartiger finanzieller Ressourcen auch die Verbesserung der Rahmenbedingungen betreffen. Bürokratische Hemmnisse müssen abgebaut und eine Infrastruktur, wie zuletzt die Berliner Freiwilligenagenturen, aufgebaut werden. Schließlich sei auch die Anerkennung von Engagement von großer Bedeutung, die durch Projekte wie das Freiwilligenhaupstadtjahr Berlin, bei dem das CityLAB das Aktionsfeld Open Source bespielt, gefördert wird. 

Maryna Markova, Leiterin des Bereichs Eltern- und Familienbildung bei Yekmal e. V., sieht ebenfalls vielfältige Bedarfe an Unterstützung in der Praxis. Auch wenn finanzielle Förderprogramme einen wichtigen Baustein darstellen, so würde beispielsweise auch Hilfe bei der Beantragung derartiger Mittel benötigt werden. Die Verwaltungssprache sei oft zu komplex und die bürokratischen Hürden zu hoch, sodass als Folge die Mittel nicht dort ankommen, wo sie am Dringendsten benötigt werden. 

Für Sabrina Konzok, Geschäftsführerin bei Kiron Digital Learing Solutions sowie Vorständin und Leitung der Berliner Regionalgruppe Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland, kam zu den bekannten Herausforderungen für das Ehrenamt als besondere Charaktereigenschaft der Corona-Krise noch hinzu, dass die Ehrenamtler selbst von der Krise betroffen waren und viele erst einmal den eigenen Alltag regeln mussten. Digitalkompetenzen waren auf beiden Seiten, der Geber und der Nehmer gefordert und mussten schnell aufgebaut werden.


Aber es gibt auch Gutes zu berichten. Auch Chancen wurden durch die Corona-Pandemie verdeutlicht. Der zuvor im ehrenamtlichen Bereich geltende “Digitalisierungsstau” hätte sich, katalysiert durch die Pandemie, gelöst und zu einem deutlichen Innovationsschub in diesem Bereich geführt. Als Beispiel an dieser Stelle ist der Hackathon HacktheCrisis zu nennen, bei dem in kürzester Zeit, unterstützt durch das CityLAB, Freiwillige eine Vielzahl an Ideen sammelten, die bis heute verfolgt werden.

Engagement im Wandel

Engagement ist also im Wandel. Projekthafter, digitallastiger, und lebenslagenorientierter würde es werden, so Katarina Peranić, und von ganz klassischen Formen des Ehrenamts zu moderneren Möglichkeiten reichen.

Dabei bringen nach Sabrina Konzok die neuen Formen des Engagements einen Kulturwandel in ehrenamtlichen Organisationen mit sich, bei dem Digitalisierung auch als Hebel wirken kann, effizienter zu arbeiten, Projekte zu skalieren und mehr Menschen zu erreichen. Besonders wichtig dabei: Allianzen schmieden und sich gegenseitig unterstützen, so Sawsan Chebli. Personen und Organisationen mit großer Expertise müssten diejenigen an die Hand nehmen, die noch nicht so fit sind. Vieles an Expertise und Wissen sei schon vorhanden, es müsse nur richtig genutzt und zugänglich gemacht werden und somit ein Miteinander statt ein Nebeneinander fördern. Ressourcen und Wissen in der Gesellschaft zu teilen sei nicht nur sinnvoll, sondern auch effizient.

Ehrenamt und Open Source

Trägt man den Gedanken des Teilens und einer offenen Wissenskultur auf im Digitalen fort so landet man früher oder später bei der Debatte um Open Source. An dieser Stelle hätte die Pandemie auch ihr Gutes bewirkt, meint Katarina Peranovic, indem sie die Debatte um Open Source raus aus der ‘Bubble’ in eine breitere Masse getragen hätte. Auf einmal hätten auch Themen wie Datenschutz und Serverstandorte an Bedeutung gewonnen, was eine erfreuliche Entwicklung sei.

Wichtig sei es dabei, keine bestimmten Open Source-Tools vorzuschreiben, sondern diese attraktiv zu gestalten und den Raum der Möglichkeiten zu öffnen. An dieser Stelle sieht Sabrina Konzok auch die Schnittstelle hin zu zeitgemäßen Methoden und Tools wie beispielsweise des UX-Designs. Open Source müsse aus der verstaubten Ecke geholt werden und kann nur dann seine Potentiale entfalten, wenn die Anwendungen auch in ihrer Usability den Menschen weiterhelfen. Niederschwellige Angebote hängen schließlich oft vom Design und einer einfachen Bedienung der Angebote ab. 

Auch die Plattform Digital Vereint baut auf Open Source-Tools und verfolgt mit kostenlosen Workshop- und Softwareangeboten das Ziel, die digitale Zivilgesellschaft sowohl im Technischen, als auch durch die Vermittlung von Digitalkompetenzen zu stärken. Das Angebot ist das Ergebnis vieler Gespräche und Interviews, die im Vorfeld mit Vertretern der engagierten Zivilbevölkerung geführt wurden, um es bestmöglich auf ihre Bedarfe auszurichten. Mit einer Anschlussförderung der Senatskanzlei wurde dieses Angebot nun ausgebaut und startet zu September mit einem neuen Programm an Weiterbildungs-, Informations- und Softwareangeboten. So soll es jedem und jeder ermöglicht werden, sein Engagement im Digitalen fortzuführen. Denn Engagement sei nicht nur eine bedeutende Säule einer blühenden Demokratie, sondern auch gut für die eigene Seele, so Sawsan Chebli. 

Mehr Informationen zum Projekt Digital Vereint findet ihr auf digital-vereint.berlin und im Projektsteckbrief des CityLAB.

Die Diskussion wurde aufgezeichnet und kann über YouTube nachgeschaut werden.